De Lazzer, Dieter: SCHWARZ-ROT-GOLD / BLEU-BLANC-ROUGE

– corporate identity
Auszüge aus der Eröffnungsrede zur Fahneninstallation von Anna Tretter im Badischen Landesmuseum, Schloss Karlsruhe, 1999

– corporate identity

In ihren Freundschaftsfahnen läßt Anna Tretter die zwei Tricoloren miteinander spielen. Und zwar, indem sie die einfache Matrix ihrer horizontalen und vertikalen Durchdringung durch Aufspaltungen ins Schwingen bringt. So kommt, wo eine semantische Programmatik der Farben fehlt, eine lyrische zustande. Die Farbfelder aus dem Kopf suchen sich ihre konkreten Stücke aus Tuch, und umgekehrt.

Diese Fahnen entstanden zum Thema „Nachbar Elsass, Nachbar Lothringen“ als eine Synthese aus der französischen Trikolore, die ja vertikal gestreift ist, und der deutschen Bundesflagge mit ihren horizontalen Streifen.

Vor den Flaggen waren die Embleme viel interessanter. Farben wurden vor allem als Begleitfarben an Schlagbäumen und Fensterläden eingesetzt, so verbreitet in Deutschland das Rot-weiß fürs Deutsche Reich und Schwarz-gold für den Kaiser.

Dann aber mit der Revolution 1789 haben unsere französischen Nachbarn die eigentliche Tradition der Flaggen aus drei Farbbahnen begründet: Sie beginnt mit der Tricolore. Der berühmte General de La Fayette war es, der in das Rot-Blau der Pariser Milizen das Weiß der königlichen Lilien zum Symbol für das ganze Frankreich einfügte. Das war noch vor dem Sturm auf die Bastille. Der Maler J.L. David erreichte später ein Gesetz, daß der blaue Teil an der Stange befestigt werden muß. In die

Verfassung Frankreichs kam die Tricolore aber erst 1946.

Die Anfänge des deutschen schwarz-rot-gold sind so klar nicht. Die Burschenschaften haben es 1815 aufgebracht (zuerst als Fahne der Jenenser Studentenschaft) und beim Wartburgfest 1817 beschlossen; besonders der Dichter Theodor Körner hat dazu beigetragen. Die schwarzen Röcke der Lützower Jäger mit ihren roten Stulpen und Vorstößen sollen Pate gestanden haben. Das Gold kam vom Blech der Messingknöpfe. Diese Fahne hatte eigentlich Rot-schwarz-rot und goldene Fransen. Erst beim Hambacher Fest 1832 wurde daraus nach dem Vorbild der französischen Tricolore der „Deutsche Dreifarb“, wie wir ihn heute verwenden.

Schwarz-rot-gold wehte 1848 über der Paulskirche für Bürgerfreiheit und Gesamt-deutschland, aber dann kam die irrige Ansicht auf, es sei das alte Reichspanier, und als dieses wurde es erstaunlicherweise von den Bundesfürsten übernommen; so blieb es bis 1866 für den Deutschen Bund im Gebrauch. Doch weil es immer auch als Symbol für Demokratie stand, hat es Bismarck 1871 als Flagge für das Deutsche Reich strikt abgelehnt. Zur offiziellen Staatsflagge wurde es erst 1919, natürlich nur bis 1933. Die Wut, mit der Reaktionäre und Nazis diese Farben bekämpft haben, zeichnet sie besonders aus.

Dieter de Lazzer,
Auszüge aus der Eröffnungsrede zur Fahneninstallation von Anna Tretter im Badischen Landesmuseum, Schloss Karlsruhe, 1999